Rheinische Post, 21. Mai 2011 (Kultur überregional)

Der Karikaturist als Maler - Romulus Candea in Willich

von Michael Hamerla

Er hat Trickfilme gestaltet, mehr als 30 Bücher illustriert, vor allem aber hat er gemalt und gezeichnet: Romulus Candea, dessen Karikaturen mehr als 30 Jahre lang in der Rheinischen Post erschienen sind. Nicht dem politisch interesiserten Zeichner, der aus seiner konservativen Gesinnung nie einen Hehl machte, sonderm dem Maler Candea ist jetzt eine große Ausstellung gewidmet. Sie gestattet einen Blick auf die letzten beiden Jahrzehnte der künstlerischen Entwicklung des heute 89-jährigen. Die gut 90 Arbeiten dieser Ausstellung überraschen durch kräfitige, lebendige, nie kitschige Farben. Dennoch zeigt sich eine Verbindung zu dem den Gegensatz zwischen Schwarz und Weiß kultivierenden Zeichner: ein kühler, auf die Form konzentrierter analytischer Blick sortiert die Erscheinungen der Wirklichkeit.

Freilich scheut Candea in seiner Malerei, was er in manchen Zeichnungen kultivierte: das demonstrative Bekenntnis. Seine Acrylbilder sind meist gemalte Ruhe und Konzentration. Landschaften, Blumen, Häuser und Menschen sind Candeas wichtigste Themen - Menschen vor allem in der Gestalt von Frauen. Kräftige Linien betonen die von Deformationen verschonte Körperlichkeit etlicher Akte, die Individualität wird seltener herausgestellt als der optische Idealzustand des Leibes. Candea malt fast immer figürlich. Aber krasser Realismus ist seine Sache nicht. Immerhin, auch einige Männer tauchen in seinem Werk auf. Einmal scheint sich der Westernheld Django über die Leinwand zu schieben, ein andermal wirft der Maler seinen Schatten auf eine Hauswand.

Den Landschafts-Schilderer hat vor allem die Insel Lanzerote beeindruckt: seine Häuser sehen oft aus, als habe er mit Paul Klee und August Macke Tunis besucht, allerdings sind die südeuropüischen Linien auch einmal in ganz in Rot gekleidet. Fast immer ist der Blick des durch Wien geprägten und geehrten österreichischen Professors durch seine Erfahrungen mit der Kamera bestimmt. Diese Bilder wollen keine komplette Geschichte erzählen. Sie sind mit hohem Bewusstsein gestaltete Ausschnitte, zu denen sich jeder Betrachter seinen eigenen Kommentar machen kann.

Candea hat sein äußerst umfangreiches malerisches Spätwerk der Galerie Schageshof in Willich-Anrath anvertraut. Dort ist jetzt auch die Ausstellung zu sehen.

Westdeutsche Zeitung, 24. Mai 2011

Wie ein eingefrorenes Puzzle

von Rudolf Barnholt

Karl-Josef Brockmanns Haus ist wieder für die Kunst geöffnet. Ende 2007 hatte auf dem Schageshof die letzte Kunstausstellung stattgefunden, nun machte er einen neuen Anfang. Noch bis zum 17. Juli sind 95 späte Arbeiten von Romulus Candea zu sehen, der in der Anrather Galerie bereits 1996, 1999 und 2005 präsent war.

Eigentlich kaum zu glauben, dass das der Candea sein soll, der lange Jahre in einer regionalen Tageszeitung seine Karikaturen veröffentlicht hat. Während die Karikaturen voller Emotionen waren, gibt sich der 89-jährige bei seiner Malerei weniger bekenntnishaft. "Die Emotionalität verlagert er hier mehr auf den Betrachter, über seine eigenen Seelenzustände gibt Romulus Candea keine Auskunft", erklärte der Journalist Michael Hamerla, der auch die Einführungsrede hielt.

Puzzlehafte organische Formen und vom Wind gebeugte Häuser

Brockmanns Bilder des Künstlers, der an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Karl Sterrer Malerei studiert und der von ihm illustrierte Kinderbücher veröffentlicht hat. Candea lebte viele Jahre in Anrath, ist mittlerweile aber nach Ahrensburg verzogen und war aus gesundheitlichen Gründen bei der Vernissage nicht dabei.

In seinen Bildern finden sich Landschaften, Bäume, Häuser, Blumen, vor allem aber Frauen. Seine figürliche Malerei ist meistens abstrakt. Er teilt die Bildfläche auf in organische Formen, die an die Teile eines Puzzles erinnern. "Die Bewegungen wirken wie eingefroren", erklärte Michael Hamerla.

Die Häuser "verbiegt" Romulus Candea gerne, sie wirken wie Bäume, die sich gegen starken Sturm wehren müssen. Besonders gern scheint der Künstler zu besonders knalligen Farben wie Pink zu greifen, die seiner figürlichen Malerei, vor allem den Akten, etwas Unwirkliches geben. Manchmal fühlt sich der Betrachter an Porträts von Andy Warhol erinnert,  aber Romulus Candea arbeitet noch reduzierter, verleiht seinen Figuren kaum Individualität.

Neben der Bildenden Kunst wird Brockmanns künftig auch einen Rahmen für kleinere Konzerte bieten. Den Anfang macht Frank Glombik mit Werken von Mozart, Beethoven und Chopin.

Rheinische Post, 21. Juni 2011

Frank Glombik entwirft Klangbilder am Flügel

Von Klängen und Bildern umgeben, erlebten die Konzertbesucher im Ausstellungsforum des Schageshof Anrath eine wörtliche Umsetzung des Wortes "Klangbilder". Hausherr Dr. Karl-Josef Brockmanns hatte zum vierten Mal den Pianisten Frank Glombik zur KiS - Kultur im Schageshof - eingeladen, um während der Ausstellung mit späten Werken des Künstlers Romulus Candea zu spielen.

Die weibliche Figur auf Candeas rotgrundigem Gemälde hinter dem Flügel schien selbstvergessen Frank Glombiks Klavierspiel zu lauschen. Zwei weitere Konzerte folgen am 3. und 17. Juli jeweils ab 17 Uhr. "Er ist ein verstecktes Talent, das wir fördern wollen." beschreibt Brockmanns den Musiker, der aus Bayern kommend in der hiesigen Region heimisch wurde und als Klavierlehrer in Kempen, Viersen und Düsseldorf seine Leidenschaft für das Instrument weitergibt.

Der 1963 geborene Pianist gewann rasch die Herzen seines Publikums, das ihm mit langem Beifall dankte. Unter den Zuhörern des gut besuchten vierten Klavierabends begrüßte Brockmanns einige Gäste, die bereits zum zweiten oder dritten Mal gekommen waren, um Glombik zu hören. Wohltuend war auch die beinahe familiäre und ungezwungene Atmosphäre mit Bewirtung in der Pause.

Glombik servierte an diesem Abend die Mozart Sonate Nr. 10 in C-Dur KV 330, Beethovens Sonate Nr. 1 in f-Moll op. 2 Nr. 1 und im brillanten Finale die 12 Chopin Etüden opus 25. Zu behänden Läufen entlockte der Interpret dem raschen Auftakt der Mozart Sonate eine leicht anmutende Gestalt. Das "Andante" des zweiten Satzes setzte er betont sachte ab, kontrastierte die behutsamen Passagen aber auch mit teilweise starken Steigerungen. Im energisch durchgeführten "Allegro" beschloss er das Auftaktstück.

Wiederum in sehr lebendigen Schattierungen und Gegensätzen servierte Frank Glombik die vier Sätze der Beethoven Sonate bis zum komplex entfalteten Finale. Zu Chopins Etüden stellte er sich ohne Ermüdungerscheinungen den kräftezehrenden Herausforderungen der höchst anspruchsvollen Stücke. In farbiger Ausführung servierte der Pianist kraftvolle sowie leicht anmutende Läufe von schöner Strahlkraft. Er kontrastierte feine Akzente und expressive Steigerungen.

Den Zuhörern gefiel sein Spiel, und so entließen sie den Interpreten erst nach zwei Zugaben - weitere Chopin Etüden des anderen Zyklus.